Am gestrigen Dienstag-Abend lief auf RBB die Sendung KLIPP & KLAR zum Thema Überwachungsstaat. Der genaue Titel lautete “Belauscht, bespitzelt, beobachtet - Leben wir schon in einem Überwachungsstaat?“, im RBB-Archiv online zugänglich. Folgender Eingangstext machte natürlich neugierig:
Big Brother lässt grüßen. Ob in der U-Bahn, im Kaufhaus oder auf öffentlichen Plätzen, ob am Arbeitsplatz, im Internet, am Handy oder beim Einkauf mit der Treuekarte - was wir machen, hinterlässt Spuren. Wir werden gefilmt, gescannt, unsere Daten gespeichert. Der gläserne Bürger - mit jedem neuen Schäuble-Vorschlag wird er ein Stück mehr Realität. Biometrischer Pass, Online-Durchsuchungen, Telefonüberwachung, Vorratsdatenspeicherung, erweiterte Rasterfahndung, Großer Lauschangriff.
Inzwischen verliert man den Überblick - und der Bürger seine Freiheitsrechte? „Immer mehr Unschuldige geraten ins Visier von Sicherheitsbehörden” warnt noch der Bundesbeauftragte für den Datenschutz. Auch das Bundesverfassungsgericht korrigiert immer wieder die Gesetzesvorhaben der Bundesregierung.
Wie viel Datenkontrolle ist notwendig, um uns vor Terror und anderer Gewalt zu schützen? Ist Deutschland auf dem Weg zum Überwachungsstaat? Gehen wir zu leichtsinnig mit unseren persönlichen Daten um?
Politik-Größen wie Wolfang Bosbach (CDU) und Dieter Wiefelspütz (SPD) waren ebenso geladen wie Polizeit-Gewerkschaftsvorsitzender Konrad Freiberg, Bundesvorsitzende der JUSOS, Franziska Drohsel und die Sprecherin des Chaos Computer Clubs, Constanze Kurz.
Das ganze war natürlich wieder eine klassische, verbale Wortschlacht. Sagte jemand etwas zum Thema, wurde sofort durch lautes dazwischen-gerufe jegliche Satzstruktur zunichte gemacht. In solchen Diskussions-Runden scheint es mittlerweile normal zu sein, niemanden mehr aussprechen zu lassen und somit dem interessierten Zuschauer nur wertvolle Zeit zu stehlen. Viele Themen-Bereiche wurden nur angeschnitten. Das meiste wurde dementiert oder als einfach lächerlich hingestellt. Generell wurden jedoch auch schöne Beispiele angeführt, die den interessierten Zuschauer mal wieder zum selber nachforschen anregen konnten. Denn näher darauf eingegangen wird bei sowas ja leider nicht. Bzw. die Redner werden derb unterbrochen. Für mich sehen solche Diskussions-Runden immer aus, wie die Streitereien im Kindergarten.
Interessant in dieser Sendung waren integrierte Reportage-Beitrage z.B. aus London, welche die dortige Überwachungssituation darstellten. Das schöne, die Beiträge wurden passend demonstriert. Anders kennt man sowas natürlich auch schon aus anderen Sendungen.
Schade ist, dass gerade solche Sendungen und Beiträge entweder schlecht vorbereit werden oder zu unmöglichen Tages- und Nachtzeiten laufen. Auch der Umgangston und das ständige Ins-Wort-Fallen nervt auf die Dauer. Und wenn der Moderator dann auch noch keine Ahnung hat oder sich womöglich noch auf eine Seite schlägt, hat man gar keine Lust mehr sich das Drama anzuschauen.
Bleibt zu hoffen, dass es bald wieder mehr gute und sinnvolle Diskussions-Runden gibt, mit kompetenten Moderatoren, interessanten Gästen und einem angemessenen Umgangston. Schließlich will man ja über ein Thema aufgeklärt und nicht vom Fernseher vertrieben werden.